Das Stammhirn ist mit ca. 500 Millionen Jahren der evolutionär älteste Teil
des Gehirns (zum Vergleich, die Wirbelsäule hat erst 390 Millionen auf dem
Buckel); es wird auch das Reptiliengehirn genannt und funktioniert im
Prinzip immer noch wie bei einem Krokodil.
Das
Stammhirn besteht aus drei Abschnitten: dem Mittelhirn, der Brücke und
dem verlängerten Mark, das mit dem Rückenmark verbunden ist.
An den Abschnitten des Stammhirns beginnen zehn der zwölf Hirnnerven. Das
Mittelhirn liegt zwischen dem Zwischenhirn und der Brücke. Es besteht
aus dem Mittelhirndach, das Ansammlungen von Nervenzellen, schwarze Substanz
und den roten Kern enthält. Diese Kerne sind für unwillkürliche Bewegungen
zuständig, die als Reaktion auf Sinneseindrücke erfolgen.
Den zweiten Abschnitt des Mittelhirns bilden die Hirnschenkel, in denen
Nervenbahnen verlaufen. Diese Nerven verbinden u. a. das Großhirn mit der
Brücke sowie dem verlängerten Mark und dem Rückenmark.
Die sich an das Mittelhirn anschließende
Brücke dient vor allem der Verbindung von Abschnitten des Gehirns (z. B.
von Großhirn und Kleinhirn). Nicht zuletzt jedoch finden sich hier
Nervenzellenansammlungen, an denen einige Hirnnerven entspringen.
Unterhalb der Brücke schließt sich das
verlängerte Mark an. Das verlängerte Mark beinhaltet vor allem
Nervenbahnen, die das Rückenmark mit dem Gehirn verbinden.
Außerdem befinden sich im verlängerten Mark Kerngebiete, zu denen Hirnnerven
hinziehen. Diese Kerngebiete erfüllen wichtige Funktionen, so ist hier das
Atemzentrum zu finden, durch das die Atmung größtenteils gesteuert wird.
Auch das Schluckzentrum befindet sich hier, genau wie die Zentren, die den
Nies- und den Hustenreflex steuern, diese erfüllen zum Teil lebenswichtige
Funktionen, z. B. wird reflexartig Husten ausgelöst, wenn ein Fremdkörper
verschluckt wird. Auch das Brechzentrum und das Herz-Kreislauf-Zentrum sind
Teil des verlängerten Marks. Das Herz-Kreislauf-Zentrum ist deshalb so
wichtig, weil es (neben dem Herzen selbst) die Herzfrequenz und auch das
Schlagvolumen des Herzens beeinflusst. Zudem sind im verlängerten Mark
Biosensoren zu finden, die z. B. den pH-Wert des Blutes messen, der in einem
eng begrenzten Rahmen gehalten werden muss.
Während ein Ausfall des verlängerten Marks in
der Regel zum Tod führt, kann ein Mensch u. a. mithilfe des verlängerten
Marks weiterleben, wenn das Großhirn so geschädigt ist, dass es seine
Funktionen nicht mehr erfüllen kann (Teilhirntod). Da sich im verlängerten
Mark das Atemzentrum befindet, muss der Patient oft nicht einmal künstlich
beatmet werden. Allerdings liegen die meisten Patienten, die als Apalliker
bezeichnet werden, im Koma. Manchmal kommt es zur Spontanheilung, sonst
tritt nach einiger Zeit der Tod ein.
