Der
Hirnstamm (= Stammhirn)
besteht aus mehreren
Strukturen: verlängertes Rückenmark, Pons (Brücke) und Mittelhirn. Alle
Strukturen sind dadurch gekennzeichnet, dass auf engem Raum zahlreiche auf-
und absteigende Bahnsysteme des Großhirns und Kleinhirns hier verlaufen.
Darüber hinaus bestehen zahlreiche Kerngebiete von Hirnnerven und wichtige
Netzwerke für die Steuerung der Blickmotorik, der Atmung, des Schluckens und
z.B. der Bewusstseinslage. Insbesondere ein ausgeprägter Hirnstamminfarkt
ist somit als potentiell lebensbedrohlich einzustufen.
Die Gefäßversorgung des Hirnstammes erfolgt
durch die beiden Vertebralarterien (Arteria vertebralis), die sich im
Übergangsbereich zwischen dem verlängertem Rückenmark und der Pons zur
Arteria basilaris vereinigen. Von den beiden Vertebralarterien und der
Arteria basilaris wird durch drei beidseitig angelegte Arterien auch das
Kleinhirn durchblutet. An der Gefäßversorgung des Hirnstammes in den
beschriebenen Bereichen Mittelhirn, Brücke und verlängertem Rückenmark sind
sehr viele kleinere Blutgefäße beteiligt, so dass bei Befall einzelner
Arterien sehr schwerwiegende Defekte entstehen können.
Nach
größeren Studien kommt es in 43 % der Hirnstamminfarkte
zu einem Verschluss größerer Arterien, bei
weiteren 18 % zu einem Verschluss kleinerer Arterien.
In der Akutphase
der Erkrankung ist bei Patienten mit Hirnstamminfarkt die weitere
Entwicklung noch nicht sicher abzuschätzen. Im Bereich des Hirnstammes ist
die Aussagekraft der Computertomographie häufig beschränkt, so dass eine
Kernspintomographie (MRT = Magnetresonanztomographie) zu fordern ist. Diese
Methode wird häufig durch eine spezielle Form der Gefäßdarstellung, der
MR-Angiographie ergänzt. Dadurch sind Aussagen über Gefäßmissbildungen,
abnorme Gefäßverläufe, Thrombosierungen, Dissektionen und Gefäßverschlüsse
möglich.
Für Patienten mit Hirnstamminfarkt ist oft
für den späteren Verlauf die
Frührehabilitation von entscheidender Bedeutung.