Krankheitsverlauf
 

 

Home
Vertebralis
Dissektion
Hirnstamminfarkt
Chiropraxis
Recht auf...
Beruf
Mein Fall
Help-TV

Befunde Krankheitsverlauf Rehabilitation Folgeschäden Mein Buch Danke

Wie alles kam

An den Beginn meiner Krankheit kann ich mich nur noch vage erinnern.
Ich litt unter Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und Nackenschmerzen. Diese Symptome könnten bereits die ersten Anzeichen einer Vertebralisdissektion gewesen sein, doch mit Sicherheit lässt sich das nicht sagen.
Von meinem Hausarzt wurde ich zum Röntgen geschickt, das die Diagnose eines Zervikalsyndroms (verschobener Halswirbel) nach sich zog. Mit dieser Diagnose und den Röntgenbildern suchte ich einen Orthopäden/Chiropraktiker auf. Ich hatte eigentlich keine Ahnung, was er machen würde, ich wusste nur, dass er meiner Zwillingsschwester ein Jahr zuvor bei ähnlichen Beschwerden geholfen hatte.

Und genau da liegt das Problem: ich hatte keine Ahnung und wurde auch nicht aufgeklärt, weder über die Art der Behandlung noch über mögliche Risiken, so gering deren Wahrscheinlichkeit auch sein mochte.
Der Arzt führte ohne Erklärung oder meine Zustimmung einen Handgriff mit meinem Kopf durch.
Plötzlich begann alles, sich zu drehen und ich musste mich auf die Liege legen.
Ich muss ohnmächtig geworden sein, denn in meinen Befunden wird ein so genannter Jackson-Anfall (ein Anfall, der zunächst nur eine Hirnregion erfasst und sich dann weiter ausbreitet) beschrieben.
Davon bekam ich nichts mit, die darauf folgenden Ereignisse erlebte ich jedoch bewusst unter diesem permanenten Schwindel mit.
Der Arzt rief die Rettung und kurz darauf wurde ich geholt und ins KH Mödling transferiert. Hier finden meine letzten Erinnerungen statt. Ich wollte meine Mutter anrufen, konnte aber meine Hand nicht richtig bewegen. Ich sah auch nicht richtig. Von da an ist alles schwarz.

Intensivstation und langsames Erwachen

Im KH Mödling erlitt ich einen weiteren Anfall und kam nicht mehr zu Bewusstsein. Da ein Spezialist im KH Mödling den Verdacht einer Vertebralisdissektion äußerte, wurde ich sofort in den künstlichen Tiefschlaf versetzt und mit Polizeieskorte ins AKH Wien überstellt.
Dort stellte sich nach diversen Bild gebenden Verfahren heraus, dass der Spezialist in Mödling Recht gehabt hatte. Es war jedoch schlimmer als angenommen. Die Dissektion betraf nicht nur eine Vertebralarterie, sondern beide. Durch die mangelnde Durchblutung hatte ich einen beidseitigen ischämischen Hirnstamminfarkt erlitten.
Ich kam sofort auf die Intensivstation, wo in der nächsten Zeit sehr düstere Prognosen gestellt wurden.
Ich lag im Tiefschlaf und wurde beatmet, und meine Familie wurde darauf vorbereitet, was alles passieren konnte. Die Ärzte konnten nicht sagen, wie weit mein Gehirn geschädigt war, und da das Stammhirn für lebenswichtige Funktionen wie Atmung oder Herzschlag verantwortlich ist, konnte es durchaus passieren, dass mein Herz einfach zu schlagen aufhörte oder ich nie wieder selbständig zu atmen beginnen würde.
Gegen Ende meiner Tiefschlafphase wurde ich tracheotomiert, bisher war ich intubiert gewesen. Das Tracheostoma musste jedoch nie zur Beatmung eingesetzt werden, da ich entgegen der ärztlichen Prognosen wieder zu atmen begonnen hatte.
Schließlich, als in meiner linken Vertebralarterie wieder ein zarten Blutfluss (Flow) zu verzeichnen war, entschied man sich, die Tiefschlafmedikamente abzusetzen.
Bereits kurz darauf hatte ich meine Augen geöffnet, war aber nicht imstande, zu reagieren. Ich begann, die Dinge um mich herum wahrzunehmen, Gesprächen zuzuhören und mich zu freuen, meine Familie zu sehen. Doch alles war extrem verwirrend, wie z.B. die seltsame Lampe über meinem Bett, an der viele kleine Geschenke aufgehängt waren. Für meine Umwelt war ich mangels Reaktion noch nicht "da".

Etwa zu dieser Zeit stellte ich fest, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Ich konnte nichts mehr anheben, keine Arme, keine Beine und auch nicht den Kopf. Ich fragte mich warum und überlegte, ob ich mir mein bisheriges Leben nur eingebildet hatte.
Doch je wacher ich wurde, desto mehr war ich zu Reaktionen in der Lage. Ich konnte nach eineinhalb Wochen meine Augen und meinen Mund auf Befehl öffnen und schließen und ich dachte bewusst daran, meinen Speichel zu schlucken statt ihn einfach aus dem Mund rinnen zu lassen.

Schließlich entschied man sich, mich auf die Neurologie zu verlegen. Hier begann die Frühphase meiner Rehabilitation.