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Dr. Tibor Farkas - Ungarische Akademie
der Wissenschaften, Zentrum für Biologie Szeged Einleitung In den vergangenen fünfzig Jahren sind in allen Bereichen des Lebens radikale Veränderungen vor sich gegangen. Dies gilt auch für die Art unserer Ernährung. Der Entwicklungs- und Lebensstandard eines Landes kann mit mehreren Kennwerten ausgedrückt werden. So war in den vergangenen Jahrzehnt der Fleischverbrauch pro Person und Jahr bis zu einem gewissen Grad mit dem Wachstum des materiellen Wohlstandes verbunden. Während dieser Wert in den Mitgliedsländern der EU 80 - 100 kg hoch ist (FAO, 2000), erreicht er in Ungarn weniger als 60 kg. Die Steigerung des Fleischverbrauches der EU ist jedoch in den letzten Jahren zum Stehen gekommen. An Stelle der Quantität ist die Qualität getreten (E. KALM, 1994). In Dänemark und Österreich ist der Schweinefleischverbrauch höher als der gesamte Fleischverbrauch in Ungarn. Gesunde Ernährung ist ein wichtiger Grundsatz geworden. Der Geflügelfleischverbrauch wird laut Prognose in Regionen der EU und der USA in solchem Maße steigen, dass er den Schweinefleischverbrauch mehrfach übertrifft. Kreislauferkrankungen resultieren häufig aus Bewegungsmangel bei übertriebenen Energiezufuhr. Der bekannteste Energieträger der Ernährung ist das Fett. Deshalb hören wir immer wieder den guten Ratschlag: essen wir weniger Fett und fette Fleischgerichte! Nach I. KISS und I. EMBER (2000) kann die Ausbildung von Dickdarm- und Brustgeschwülsten als Folge des Verzehrs von fettreichen Gerichten nicht ausgeschlossen werden. Gleichzeitig berichten sie mit Bezugnahme auf andere Verfasser über ein vermindertes Risiko von Magenkrebs bei gesteigerter Fettaufnahme. Die Schweinezüchter sind seit einem halben Jahrhundert bemüht, den Fettgehalt des Schweins zu vermindern. Statt der einst 40 - 50, sogar 70 % (B. DORNER, 1921, F. CSÁKY, 1933) enthält ein Schwein heute höchstens 20 - 30 % Fett (K. GOSZTONYI - R. LÁSZTITY, 1993). Die Fettproduktions- und Fetteinbaufähigkeit der einzelnen Rassen sind unterschiedlich. Die über starke Wachstumsintensität verfügenden Rassen erreichen das Schlachtgewicht bereits vor dem Beginn der intensiven Fettbildung. Die richtige Fütterung dient auch der Verminderung der Fettbildung. Die Fettablagerung im tierischen Organismus ändert sich auch unter dem Einfluss des Geschlechtes oder der Sterilisation. Auch der Fettgehalt der aus den einzelnen Körperteilen gewonnenen Fleischteile, sogar der Fettsäuregehalt der Fette ist unterschiedlich. Der "Kampf" gegen das Fett führte dazu, dass das Fleisch wegen der Verminderung des intramuskulären Fettes geschmacklos wurde und aufgrund fehlender Geschmacks- und Aromastoffe einen verminderten Genusswert hat. Auch die Essenszubereitung kann das Gleichgewicht unserer Energiebilanz stören. Wenn man aus dem 3 - 4 % Fett enthaltenden Fleisch paniertes Schnitzel zubereitet, wird der Fettgehalt des Gerichtes um mindestens 10 % zunehmen. Auch variiert der Fettgehalt in den verschieden Produkten aus Schweinefleisch stark. (Schinken (5%), Pariser Wurst (10 %, Debrecener Wurst (28 %) oder Wintersalami (47 %) (K. INCZE - I. CSAPÓ, 2000)). Die Experten der Ernährungswissenschaft machen uns neben dem Fettgehalt auch auf die Wichtigkeit der Fettsäurezusammensetzung der Fettstoffe aufmerksam. Menge und Anteil der gesättigten und ungesättigten Fettsäuren unterscheidet sich je nach Tierart und Körperteil, er kann sogar durch die Fütterung geändert werden (J. GUNDEL - I-né HERMÁN, 2001). Die gesättigten Fettsäuren sind ernährungsphysiologisch ungünstig. Der Verzehr von einer oder mehrerer Doppelbindungen enthaltenden ungesättigten Fettsäuren ist gesünder (SCHEEDER et al., 1998), jedoch können wegen der gesteigerten Lipidperoxidation krebserregende Produkte entstehen. In physiologischer Hinsicht ist auch das Verhältnis der einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren von Wichtigkeit (L. BOROSS - M. SAJGÓ, 1993).
Wir haben 10 Schweinegruppen unterschiedlichen Genotyps unter völlig
gleichen Haltungs- und Fütterungsbedingungen im Versuchsbetrieb der
Fakultät gemästet. In der Fakultät wurde die Herdbuchkontrolle
des ungarischen weißen Landschweins, der ungarischen Landrasse,
des Duroc und des Pietrain durchgeführt. Ebenso organisiert die Fakultät
die Genaufbewahrung der Rassenn des Mangalizaschweins, vermehrt das Cornwall.
und hält den Versuchsbestand des Mangaliza- und Duroc-Schweins zur
Genkartenaufnahme. Deshalb bot sich uns eine seltene Möglichkeit
zum Vergleich der Mastleistung und des Schlachtkörperwertes der verschiedenen
Genotypen. Tabelle 1: Zusammensetzung und Inhaltstoffe der Futtermischungen
Das Mastendgewicht der modernen Schweinerassen (ungarisches weißes Landschwein, ungarische Landrasse, Duroc und Pietrain) betrug 130 kg, während die Rassen Mangaliza, Cornwall und deren Kreuzungen bis zu einer Endmasse von 140 kg gemästet wurden. Dementsprechend können die prozentualen Werte der Lebendmassenzunahme pro Lebenstag und Mastdauer, des Schlachtalters sowie des Muskelfleischanteils und der Weißware nur innerhalb der beiden Nutzungstypen bewertet werden (Tabelle 2). Das Mastendgewicht beträgt auf Wunsch des spanischen Abnehmers 140 kg. Wir haben das Mastendgewicht der "modernen" Schweine mit 130 kg fixiert, um annähernd gleiche Voraussetzungen für die Untersuchung von Mast, Fleisch und Fett zu schaffen. Tabelle 2: Mast- und Schlachtparameter der Versuchsgruppen
Die Fettsäuren wurden im Laboratorium des Zentrums für Biologie in Szeged, die Fleischsorten im zentralen Laboratorium der Universität Debrecen, Zentrum für Agrarwissenschaften durchgeführt.
Die Mangalizaschweine und ihre Kreuzungen haben die Schlachtmasse zwei Monate später (23 %) erreicht. Während dieser Zeit haben sie absolut um 15,05 %, relativ ausgedrückt um 52,4 % mehr Fett, absolut um 13,2 %, relativ um 23 % weniger Fleisch in ihren Körper eingebaut. In der Praxis werden diese Rassen unterschiedlich gehalten und gefüttert da sie als Rohstoff für die Herstellung anderer Produkte dienen. Die Proben für die Untersuchung des Fettgehaltes der einzelnen Typen wurden laut Genehmigung des Schlachthofes ausschließlich dem Kammfleisch entnommen. Der durchschnittliche Trockensubstanzgehalt der Kammfleischteile betrug bei den zu unterschiedlichen Genotypen gehörenden Schweinen 35,21 % (Tabelle 3). Die Varianzanalyse der Angaben von 100 Tieren, die zu 10 Genotypen gehören, weicht lediglich in der Stufe P 10 % ab. Das bedeutet, dass weder der Genotyp noch das Geschlecht im Trockensubstanzgehalt eine statistisch zuverlässige Abweichung hervorgerufen hat. Den höchsten Trockensubstanzgehalt haben wir im Fleisch der Kreuzungen D x Mangaliza F1 und F2 (38,03 -36,50), den niedrigsten bei den Rassen Pietrain und Landrasse (33,53 - 32,58) gefunden. Tabelle 3: Inhaltstoffe im Fleisch (Teilstück Kamm)
Der Mittelwert des Eiweißgehaltes der Fleischproben betrug 18,07 %. Die Varianzanalyse hat auch in dieser Hinsicht keinen zuverlässigen Unterschied zwischen Rassen und Kreuzungen nachgewiesen. Nach der Varianzanalyse ist die Wirkung des Geschlechts stärker als die des Genotyps, jedoch kann die Abweichung nur in Stufe P 10 % nachgewiesen werden. Wir haben den höchsten Eiweißgehalt beim ungarischen weißen Landschwein und Pietrain (18,67 - 18,52 %), den niedrigsten im Fleisch der D x Mangaliza F1-Kreuzungen festgestellt. Der durchschnittliche Fettgehalt der Kammfleischproben betrug 15,83 %.
Die Varianzanalyse hat in Stufe P 0,1 % eine signifikante Abweichung unter
den Behandlungen nachgewiesen. Wir haben den höchsten Fettgehalt
in dem Fleisch der D x Mangaliza F1-F2-Kreuzungen festgestellt (19,14
- 17,08 %), dann folgten das blonde und das rote Mangalizaschwein (16,94
- 16,90 %). Den geringsten, sich von den vorher erwähnten Rassen
signifikant unterscheidenden Fettgehalt hat das Fleisch der Rassen Pietrain
(14,17 %), weißes Landschwein (14,06 %) und die Landrasse (12,93
%) enthalten. Tabelle 4 : Fettsäurezusammensetzung im Rückenspeck verschiedener Genotypen (%)
Abbildung 1: Fettsäurezusammensetzung des Specks
bei verschiedenen Rassegruppen
Bei den gesättigten Fettsäuren ist im Mittel der Genotypen
der Anteil der Palmitinsäure am höchsten (62,01 %). Der Anteil
der Stearinsäure beträgt 33,4 %, der der Miristinsäure
4,6 % (Abbildung 2). Bei den ungesättigten Fettsäuren kommt die Ölsäure
am häufigsten vor, sie ergibt 71,27 % aller ungesättigten Fettsäuren.
Die Miristolein- und Palmitoleinsäure sind lediglich mit 1,06 und
Abbildung 2: Zusammensetzung an gesättigten Fettsäuren
Abbildung 3: Zusammensetzung an ungesättigten Fettsäuren
Bei den in ernährungsphysiologischer Hinsicht wichtigeren, mehrere doppelte Bindungen enthaltenden Fettsäuren betrug der Anteil der Linolsäure annähernd ein Viertel aller ungesättigten Fettsäuren (22,59 %), während die Linolensäure, die 3 doppelte Bindungen enthält, lediglich mit einem Anteil von 0,84 % vorhanden war. Der durchschnittliche Anteil ungesättigter Fettsäuren war im roten Mangalizaschwein signifikant höher als in den übrigen Gruppen. Der Anteil der einfach ungesättigten Fettsäuren (MUFA) ist bei beiden Mangalizarassen, der Anteil der mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFA) nur beim roten Mangalizaschwein höher als in den übrigen 9 Gruppen (Tabelle 4 und Abbildung 4). Tabelle 5 veranschaulicht den Vorteil des Mangalizaschweines mit dem um 12 - 16 % niedrigeren gesättigten und mit dem um 8 - 10 % höheren ungesättigten Fettsäuregehalt deutlich. In ernährungsphysiologischer Sicht ist der um 12 % höhere Anteil der Ölsäure im Fett der Mangalizaschweine besonders vorteilhaft. Tabelle 5: Unterschiede in der Zusammensetzung der Fettsäuren bei dem Mangalizaschwein und den modernen Rassen(%)
Nach den Erfahrungen der Mastversuche erreichen die Mangalizaschweine und ihre Kreuzungen die Schlachtmasse 2 Monate später als die modernen Schweinerassen. Ihre relative Fettproduktion ist um 52 % höher, ihre Fleischproduktion um 23 % niedriger als bei den modernen Rassen. Der Trockensubstanzgehalt des Fleisches ist beim Mangalizaschwein und seinen Kreuzungen höher als bei den modernen Rassen. Und umgekehrt ist im Fleisch der modernen Rassen der Eiweißgehalt höher als bei den Fettschweinen, jedoch kann der Unterschied zwischen den Mittelwerten der einzelnen Genotypen ähnlich wie beim Trockensubstanzgehalt mit der untersuchten Tierzahl nicht abgesichert werden. Der Fettgehalt ist bei Fettschweinen natürlich größer
als bei intensiven Fleischschweinen. Wir haben bei der Untersuchung der
Fettsäurezusammensetzung des Schweinefettes festgestellt, dass die
blonden und roten Mangalizaschweine hinsichtlich der gesättigten
und ungesättigten Fettsäuren ernährungsphysiologisch günstigere
Werte haben als die heute gezüchteten Kulturrassen.
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